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Kleid ändern lassen: Was geht, was nicht und woran man es erkennt

Die meisten Kleider passen nicht auf Anhieb. Das ist kein Mangel, sondern Rechnung: Konfektionsgrößen bilden einen Durchschnitt ab, den es in Wirklichkeit selten gibt. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht „passt es?“, sondern „lässt es sich passend machen?“ — und die Antwort steht fest, bevor eine Schneiderin sie ausspricht. Sie steckt in den Nähten des Kleides.

Lässt sich dieses Kleid ändern?

Drei Fragen — dann wissen Sie, ob es geht, bevor Sie kaufen.

  • Was stimmt an dem Kleid nicht?

    Wählen Sie, was am meisten stört.

    Diese Auskunft beschreibt, was im Regelfall möglich ist. Was Ihr Kleid hergibt, sieht die Werkstatt am Stück; verbindliche Preise nennt nur sie. Wir übernehmen keine Gewähr (Haftungsausschluss).

    Die eine Regel, die alles andere erklärt

    Enger machen geht fast immer. Weiter machen nur so weit, wie Stoff in den Nähten steckt. Das ist keine Frage des Könnens und keine des Preises: Eine Werkstatt kann Stoff wegnehmen, aber keinen herbeizaubern. Wer zwischen zwei Größen steht, kauft deshalb die größere — es ist der einzige Weg, der beide Richtungen offen lässt.

    Aus derselben Regel folgt die zweite: Kaufen Sie nach der Schulter, nicht nach der Taille. An der Schulternaht und der Armkugel laufen Vorderteil, Rückenteil, Ärmel und Futter zusammen; dort gibt es praktisch keine Zugabe, und jede Änderung verschiebt den Sitz des ganzen Oberteils. Die Taille dagegen ist die einfachste Stelle des Kleides. Was oben passt, lässt sich unten anpassen — umgekehrt selten.

    Die Prüfung, die dreißig Sekunden dauert

    Drehen Sie das Kleid im Laden auf links und sehen Sie sich die Seitennaht an. Hinter der Naht steht ein Streifen Stoff — die Nahtzugabe. Sie ist die gesamte Reserve, die das Kleid hat, und sie ist bei Konfektionsware selten breiter als anderthalb Zentimeter.

    Was das bedeutet, lässt sich ausrechnen: Ein Kleid mit zwei Seitennähten hat vier Zugaben — links vorn, links hinten, rechts vorn, rechts hinten. Von jeder muss etwa ein Zentimeter stehen bleiben, damit die Naht hält. Bei anderthalb Zentimetern bleiben je einen halben zum Auslassen, macht vier mal einen halben: zwei Zentimeter Umfang. Eine deutsche Konfektionsgröße entspricht vier Zentimetern. Anderthalb Zentimeter Zugabe ergeben also eine halbe Größe, nicht eine ganze.

    Der Rechner im Werkzeug oben nimmt Ihnen die Rechnung ab. Wichtiger als das Ergebnis ist die Gewohnheit: Bei jedem Kleid, das knapp sitzt, einmal nach innen sehen, bevor die Karte gezückt wird.

    Wo die Zugabe breiter ist — und wo es gar keine gibt

    Teurere Kleider haben oft mehr Zugabe, weil die Hersteller mit Änderungen rechnen. Brautkleider führen regelmäßig drei bis fünf Zentimeter, manche sogar eine zusätzliche Stofffalte im Rücken. Ein Kleid aus dem Grundpreissegment hat dagegen häufig nur einen Zentimeter — versäubert, zurückgeschnitten, nichts zu holen.

    Keine Reserve haben grundsätzlich: eingearbeitete Corsagen mit Stäbchen, Plissee und dauerhaft gelegte Falten, flächig bestickte Bahnen und alles, was ohne Seitennaht auskommt — etwa im Schlauch gestrickte Jerseykleider. Bei diesen Bauarten ist die Größe, die im Laden hängt, die endgültige.

    Was eine Änderung ungefähr kostet

    Verbindliche Preise nennt nur die Werkstatt, die das Stück in der Hand hält — sie hängen von Stoff, Futter und Verarbeitung ab. Die Verhältnisse sind aber stabil und helfen beim Schätzen: Seitennähte enger zu setzen ist die günstigste der üblichen Arbeiten. Ein Saum liegt darüber, und zwar je Lage: Ein gefütterter, mehrlagiger Rock kostet ein Mehrfaches des einlagigen, weil jede Lage einzeln gekürzt wird. Deutlich teurer sind das Versetzen eines Reißverschlusses und jede Arbeit an Spitze, Perlen oder Corsage, weil dort Handarbeit anfällt.

    Fragen Sie beim ersten Anruf drei Dinge: ob die Werkstatt Ihr Material überhaupt annimmt — Chiffon, Spitze und Perlenbesatz lehnen manche ab —, wie lange es dauert und was es ungefähr kostet. Alle drei Antworten bekommen Sie am Telefon. Adressen in Ihrer Nähe stehen auf den Stadtseiten, etwa für Hamburg, Düsseldorf oder Bochum.

    Die kleine Änderung, nach der kaum jemand fragt

    Wenn ein Kleid überall sitzt und nur der Ausschnitt absteht, fehlt weder Weite noch Länge — es ist zu viel Länge im Oberteil. Ein kleiner Abnäher an der Ausschnittkante nimmt sie weg und ist von außen nicht zu sehen. Die Arbeit dauert Minuten und verändert die Wirkung des ganzen Kleides.

    Dasselbe gilt für rutschende Träger. Die Ursache liegt fast nie an den Trägern, sondern an zu viel Weite in der Taille: Das Kleid sackt als Ganzes, die Träger folgen. Wer nur die Träger kürzen lässt, hat das Problem in einer Stunde zurück.

    Wann Sie zum Termin gehen sollten — und womit

    Mit den Schuhen, die Sie zum Anlass tragen. Ein Saum wird im Stehen abgesteckt, und zwei Zentimeter Absatzhöhe verschieben ihn um zwei Zentimeter. Mit der Unterwäsche, die Sie tragen werden — ein anderer BH verändert den Sitz des Oberteils messbar. Und nicht in der Woche vor dem Anlass: Gute Werkstätten sind ausgelastet, und eine Anprobe nach der Änderung gehört dazu.

    Wie lang das Kleid am Ende sein muss, rechnet der Saumrechner aus Ihrer Absatzhöhe aus. Welche Größe überhaupt in Frage kommt, klärt die Größentabelle mit Rechner. Und warum dieselbe Zahl bei jedem Anbieter etwas anderes bedeutet, steht in der Größen-Lotterie.

    Häufige Fragen

    Was kostet es, ein Kleid ändern zu lassen?

    Verbindliche Preise nennt nur die Werkstatt. Die Verhältnisse sind aber stabil: Seitennähte enger setzen ist am günstigsten, ein Saum kostet mehr — und zwar je Lage. Am teuersten sind das Versetzen eines Reißverschlusses und Handarbeit an Spitze oder Perlen.

    Kann man ein Kleid weiter machen?

    Nur so weit, wie Stoff in den Nähten steckt. Bei anderthalb Zentimetern Zugabe je Naht gewinnen Sie etwa zwei Zentimeter Umfang — eine halbe Konfektionsgröße. Bei einem Zentimeter Zugabe gar nichts.

    Wie viel enger kann ein Kleid gemacht werden?

    Bis etwa zwei Größen bleibt der Schnitt in Form. Darüber wandern Abnäher, Armlöcher und Taillenlinie so weit, dass die Proportionen nicht mehr stimmen.

    In welcher Reihenfolge lasse ich mehrere Dinge ändern?

    Erst die Weite, dann die Länge, zuletzt die Träger. Jede Änderung an der Weite hebt oder senkt das Kleid — wer zuerst kürzen lässt, kürzt zweimal.

    Was muss ich zum Termin mitbringen?

    Die Schuhe des Anlasses und die Unterwäsche, die Sie tragen werden. Zwei Zentimeter Absatz verschieben den Saum um zwei Zentimeter, und ein anderer BH verändert den Sitz des Oberteils messbar.

    Welche Materialien lassen sich nicht ändern?

    Plissee und dauerhaft gelegte Falten lassen sich nicht auslassen, Corsagen mit Stäbchen haben keine Zugabe, und flächig aufgestickte Perlen laufen über die Nahtlinie. Bei diesen drei ist die Größe im Laden die endgültige.

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