Mottoparty-Outfit: 20er, 50er, 70er, 80er und 90er treffen
Der Unterschied zwischen „toll, wie aus der Zeit!“ und „aha, Kostümverleih“ ist keine Frage des Budgets, sondern der Silhouette: Jedes Jahrzehnt hat genau eine Linie — die Zwanziger verweigern die Taille, die Fünfziger feiern sie, die Achtziger verlegen alles auf die Schultern. Wer die Linie trifft, braucht kaum Zubehör. Wer nur das Zubehör trägt, bleibt verkleidet.
Die Zeitmaschine
Mottoparty? Jedes Jahrzehnt hat EINE Silhouette — wer sie trifft, sieht echt aus.
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Modegeschichte in Faustregeln: Es geht um die Silhouette der Epoche, nicht um historische Vollständigkeit. Für den echten Vintage-Kauf gelten die Größenangaben der Zeit — eine 42 von 1960 ist keine heutige 42.
Alle Jahrzehnte zum Nachlesen
Die 1920er — Charleston (1920–1929)
Die gerade Linie. Die Mode der Zwanziger verweigerte die Taille: Kleider fielen gerade oder mit tief sitzender Hüftlinie, der Saum endete am Knie — damals ein Skandal, heute das Erkennungszeichen.
Erkennungszeichen: Tiefe Taille oder gar keine — der Gürtel sitzt auf der Hüfte, nie in der Taille. Fransen, Perlenstickerei oder Pailletten in Reihen, die beim Tanzen schwingen. Dazu: lange Perlenkette (geknotet), Stirnband oder Haarschmuck, T-Riemen-Schuhe mit Blockabsatz.
Heute kaufen: Ein gerades Hängerkleid (Shiftkleid) mit Fransen oder Reihenpailletten — die Suchworte im Shop sind „Fransenkleid", „Flapper" oder „Gatsby". Knielang, nicht bodenlang. Vermeiden: Ein figurbetontes oder tailliertes Kleid mit Federboa. Die Boa macht kein 1925 — die fehlende Taille macht es. Eng anliegend wird aus der Epoche ein Kostüm.
Die 1950er — New Look (1947–1959)
Die Sanduhr. Diors „New Look" von 1947: schmale, betonte Taille, weit schwingender Rock bis zur Wadenmitte. Die Silhouette lebt vom Gegensatz aus eng und weit.
Erkennungszeichen: Betonte Taille — Gürtel, angeschnittene Taille oder Wickeleffekt. Wadenlanger Tellerrock, gern mit Petticoat darunter. Dazu: Punkte, Karo oder Blumendruck, Cat-Eye-Lidstrich, Tuch im Haar oder um den Hals.
Heute kaufen: Ein „Fit-and-Flare"- oder „Swing"-Kleid — genau dieser Schnitt wird bis heute unter diesen Namen verkauft. Ein günstiger Petticoat verdoppelt die Wirkung. Vermeiden: Bodenlang oder minikurz. Die Fünfziger enden an der Wadenmitte — jede andere Länge kippt in eine andere Epoche.
Die 1970er — Disco (1970–1979)
Die fließende Länge. Alles schwingt: Schlaghosen, Maxikleider, weite Ärmel. Die Stoffe glänzen oder fließen — nichts ist steif, nichts ist kurz und eng zugleich.
Erkennungszeichen: Schlag — an der Hose oder als ausgestellter Jumpsuit. Glanz: Lurex, Satin, Metallic-Töne, tiefer V-Ausschnitt. Dazu: Plateauschuhe, große Ohrringe oder Statement-Kette, offene Wellen im Haar.
Heute kaufen: Ein Maxikleid im Wickelschnitt (der Wickel IST siebziger — Diane von Fürstenberg, 1974) oder ein Jumpsuit mit weitem Bein. Beides ist regulär im Handel. Vermeiden: Hippie und Disco mischen. Blumenkranz plus Paillettenjumpsuit sind zwei verschiedene Siebziger — eines von beiden wählen.
Die 1980er (1980–1989)
Das umgekehrte Dreieck. Oben breit — Schulterpolster, Puffärmel —, unten schmal oder kurz. Dazu die Devise: mehr ist mehr, und alles darf glänzen.
Erkennungszeichen: Schultern: Polster, Puffärmel oder ein kastiger Blazer. Knallfarben oder Metallic — gern beides, gern gemustert. Dazu: auffälliger Modeschmuck, Gürtel über allem, toupiertes Volumen oder Seitenzopf.
Heute kaufen: Ein Puffärmel-Minikleid oder ein Oversize-Blazer als Kleid getragen (mit Gürtel). Beides ist im aktuellen Handel reichlich vorhanden — die Achtziger sind regelmäßig zurück. Vermeiden: Zu subtil bleiben. Die Achtziger erkennt man auf zehn Meter — ein dezentes schwarzes Kleid mit kleinen Polstern liest niemand als Motto.
Die 1990er (1990–1999)
Der Minimalismus — oder sein Gegenteil. Die Neunziger haben zwei Gesichter: das reduzierte Slipdress auf nackter Haut, oder Grunge mit Karohemd um die Hüfte. Beides funktioniert als Motto.
Erkennungszeichen: Slipdress: dünne Träger, fließender Satin, gern mit T-Shirt darunter (sehr 1996). Grunge: Karohemd um die Taille, Plateau-Boots, dunkler Lippenstift. Dazu: Choker, kleine Sonnenbrille, Zopfspangen oder Space Buns.
Heute kaufen: Ein Satin-Slipdress — der Schnitt ist seit Jahren wieder Standardsortiment und danach normal weitertragbar. Der Choker kostet drei Euro und erledigt die Epochen-Zuordnung. Vermeiden: Neunziger mit Achtzigern verwechseln: Neon, Polster und Volumen sind das Jahrzehnt DAVOR. Die Neunziger sind schmal, matt oder kariert.
Häufige Fragen
20er-Jahre-Kleid für Damen — worauf achten beim Kauf?
Auf die gerade Linie: kein Taillengürtel, keine figurbetonte Passform. Suchworte im normalen Handel sind „Fransenkleid“, „Flapper“ oder „Gatsby“; knielang, nicht bodenlang. Dazu lange Perlenkette und Stirnband — mehr braucht es nicht, wenn der Schnitt stimmt.
Mottoparty-Outfit, ohne etwas zu kaufen — geht das?
Bei drei Jahrzehnten fast immer: Neunziger (Slipdress oder Karohemd um die Hüfte plus Choker), Achtziger (Blazer mit Gürtel, auftoupiertes Volumen, aller Modeschmuck der Schublade) und Fünfziger, falls ein tellerartiger Midirock im Schrank hängt. Zwanziger und Siebziger brauchen meist ein Teil aus dem Handel oder dem Secondhand-Laden.
Passt ein Mottoparty-Kleid später noch zu etwas anderem?
Slipdress (90er), Wickel-Maxikleid (70er) und Fit-and-Flare (50er) sind reguläre Schnitte des heutigen Sortiments — sie laufen nach der Party als normale Fest- und Sommerkleider weiter. Reine Kostümkäufe sind nur Fransenkleid und Schulterpolster-Extreme.
Die zwei meistgesuchten Jahrzehnte haben eigene Seiten: 20er-Jahre-Outfit für Damen und das 50er-Jahre-Kleid.
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